Abschlussfeier des Jahrgangs 10 im Schuljahr 2019/20

Ein Video mit Botschaften für die ehemaligen Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 10:

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Abschlussrede 2020 für den Jahrgang 10



Als Schulleiter der Evangelischen Gesamtschule Gelsenkirchen-Bismarck begrüße ich sie alle herzlich zur diesjährigen feierlichen Zeugnisübergabe unseres Abschlussjahrgangs 10. Ungewöhnlich natürlich, weil wir diesen erstmals coronabedingt nur auf Klassenebene und an einem ungewohnten Ort durchführen können.

Und trotzdem: Alle Menschen, die heute bei uns sind, haben einen Grund gemeinsam zu feiern. Ich begrüße also die Schülerinnen und Schüler unseres siebzehnten Abschlussjahrgangs in der Sekundarstufe I mit jeweils zwei Personen aus ihrem Familien- und Freundeskreis sowie Teile des Kollegiums – Herzlich willkommen!

Beginnen möchte ich meine Abschlussrede mit einem Zitat:

Die heutige Jugend ist von Grund auf verdorben,

sie ist böse, gottlos und faul,

sie wird niemals so sein, wie die Jugend vorher,

und es wird ihr niemals gelingen,

unsere Kultur zu erhalten“

Und nein: Dieses Zitat stammt nicht aus einem Zeitungskommentar oder einer Politikerrede der letzten Wochen, in der beklagt wird, dass ihre Kinder wegen des Unterrichtsausfalls in den Schulen seit März viel zu wenig gelernt haben, nein: Das Zitat stammt aus einer babylonischen Steintafel, deren Alter auf mindestens 3000 Jahre geschätzt wird.

Es gibt also durchaus Anlass zur Hoffnung!

Und das besonders, da ihre Kinder, sofern sie weiterhin an der EGG verbleiben werden, nach den Ferien mit iPads ausgestattet sein werden, also auch bei einem erneuten, sogenannten „Lernen auf Distanz“, dem weiteren schulischen Lernen kaum mehr Steine in den Weg gelegt sein werden.



Ich sprach gerade bewusst von dem schulischen Lernen, denn das Lernen an sich lässt sich überhaupt nicht vermeiden – auch wenn in einigen unserer Jahrgänge seit Mitte März so gut wie kein Präsenzunterricht stattgefunden hat. Und das ist auch keine neue Erkenntnis, denn Wilhelm von Humboldt hielt bereits vor 200 Jahren fest:

Bilde dich selbst! Und dann wirke auf andere durch das, was du bist.“

Hiermit verbunden war im alten Preußen der durchaus hehre Wunsch, dass sich die schulische Bildung nicht nur auf Wissensvermittlung beschränken solle, sondern der persönlichen Entfaltung eine besondere Bedeutung zu verleihen habe.

Nach 10 Schuljahren stehen nun plötzlich viele neue und unbekannte Türen offen. Aber was soll man bloß tun mit der neugewonnen Freiheit? Ganz allein hinaus in die große, weite Welt, neue Länder und Kulturen kennen lernen, sehen was die Welt zu bieten hat. Wie es tatsächlich auch schon Tolkien in seinem Werk „Der Herr der Ringe“ formulierte:

Die Straße gleitet fort und fort

Weg von der Tür, wo sie begann,

Zur Ferne hin, zum fremden Ort,

Ihr folge denn, wer wandern kann.“

Doch der Schein nahezu grenzenloser Freiheit trügt. Heutzutage wird im Berufsleben Mobilität gefordert. So mancher bereist die Welt nicht mehr bloß, um sie zu sehen, sondern damit der Personalchef von Thyssen-Krupp sich beim Bewerbungsgespräch keine Gedanken darüber machen muss, ob ihr eure Soft Skills als Young Professionals ausreichend trainiert habt und damit eine gute Human Ressource für die Company seid, damit ihr ein gutes Customer Relationship aufbauen könnt oder doch noch einmal ins Assessment-Center müsst.









Hier bleibt bereits die Schwierigkeit, dieses kaum als Business-English zu bezeichnende Kauderwelsch überhaupt zu enträtseln. In diesem Sinne hoffe ich, dass euch die letzten Jahre an der EGG besser qualifiziert haben, auch für euer weiteres berufliches Leben Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden zu können. Aus der Wissenschaft wird hierzu prognostiziert, dass die meisten heutigen Schulabgänger, während ihres Berufslebens mindestens 3-4 mal ihren Beruf aufgrund der Schnelllebigkeit unserer Zeit wechseln werden und viele von euch in 10 Jahren in Berufen arbeiten werden, die es heute noch gar nicht gibt. Um diese Zukunft meistern zu können, muss man eine Fähigkeit besonders ausgeprägt gelernt haben, nämlich die das ganze Leben lang zu lernen.

Zum lebenslangen Lernen gehört auch die Fähigkeit mit anderen zusammen zu arbeiten. Hinzu kommen eine positive Einstellung zum Lernen und zum Leben, die Bereitschaft Risiken einzugehen und Fehler nicht als etwas Schlimmes, sondern als Hilfe auf dem weiteren Weg zu betrachten. Wir hoffen, dass wir euch an der EGG mit diesen Fähigkeiten und mit diesen Kompetenzen ausgestattet haben, die ja auch allen von euch in den nächsten drei Jahren, wenn ihr nach den Sommerferien in Richtung Abitur aufbrecht zu Gute kommen können.

Zur Freude einiger Kolleginnen und Kollegen führt die Art der heutigen Feier natürlich auch zu einer maximalen Sprechzeit für die Abschlussrede des Schulleiters, was mir nicht ganz leicht fällt und was ich auch keineswegs so gut beherrsche wie ein anderer bekannter Schulleiter, den ich an dieser Stelle zitieren möchte:

Willkommen!“, rief er. „Willkommen zu einem neuen Jahr in Hogwarts. Bevor wir mit unserem Bankett beginnen, möchte ich ein paar Worte sagen. Und hier sind sie: Schwachkopf! Schwabbelspeck! Krimskrams! Quiek! Danke sehr! Und er nahm wieder Platz.“

Das ist wahrhaftig kurz, so kurz, dass ich mich mit Hogwarts in drei Jahren gerne noch einmal genauer beschäftigen möchte, wenn das Abitur hinter vielen von euch liegen wird.





Aber unabhängig davon, ob sich unsere Wege nun trennen oder noch einige Jahre weiter gehen werden, wünsche ich euch, dass eure Zeit an der EGG irgendwann rückblickend zu den guten Zeiten eures Lebens gehören mag und dass ihr weitere gute Zeiten folgen mögen. Ihr habt diese Schule mit Leben gefüllt, euer Geist und eure Fröhlichkeit haben sie mit geprägt. Ich sage im Namen der EGG: Herzlichen Dank !

Bei Ihnen, liebe Eltern, bedanke ich mich für das geschenkte Vertrauen, für kritische Fragen, ermutigende Rückmeldungen und für alle Unterstützung in den letzten (zumeist) 6 Schuljahren ihrer Kinder. Vielleicht möchten Sie auch zukünftig zu besonderen Veranstaltungen eingeladen werden (Konzerte, Feste); dafür geht während der Feierlichkeiten eine Liste herum, in der sie sich mit ihrer Mailadresse eintragen können und gezielt eingeladen werden.

Euch, liebe Kolleginnen und Kollegen – und damit sind insbesondere die Klassenlehrerinnen und Klassenlehrer der letzten sechs Schuljahre gemeint – danke ich für das andauernde Engagement, den Langmut und die Freundlichkeit mit der ihr eure Schülerinnen und Schüler in den letzten Jahren begleitet habt.

Ich möchte zum Ende meiner Rede hin stellvertretend für alle hier Sitzenden einen Schüler nach vorne bitten, der in seiner Klasse das beste Zeugnis erzielt hat und dem ich als Widmung in das Buchpräsent geschrieben habe:

Herzlichen Glückwunsch zum besten Zeugnis deiner Klasse im Abschlussjahr 2020. Ich wünsche dir viel Erfolg und Gottes Segen auf deinem weiteren Weg.“ Dein Schulleiter, Volker Franken

10a: Lorena Cubero Gamero + Laura Dreiling 1,6

10b: Linus Abdullah Ince 1,3

10c: Julia Rabeneck 1,2

10d: Jonathan Süß 1,2

10e: Kristin Lehrhove 1,4

10f: Lisa-Marie Baldschun 1,9



Die EGG verabschiedet sich in Dankbarkeit und Respekt von ihren Schülerinnen und Schülern und deren Eltern, von denen uns wie wir wissen auch viele für weitere Jahre erhalten bleiben. Genießt diesen Tag. Es ist im Leben nicht oft so, dass man an einem lange angestrebten Ziel angekommen ist.

Zum Ende der Rede hin bin ich dann nochmals schwach geworden und muss sie – weil’s so schön ist – erneut mit einem Zitat abschließen:



Wie jede Blüte welkt und jede Jugend

Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,

Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend

Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.

Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe

Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,

Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern

In andre, neue Bindungen zu begeben.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,

Der uns beschützt und der uns hilft zu leben.



Herzlichen Dank für ihre Aufmerksamkeit. (8 Minuten)

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